Warum Stress wichtig ist und wie du mit ihm umgehen solltest.

Stress kann krank machen, oder dich zu Höchstleistungen antreiben.

Es ist offiziell eine der Hauptursachen für verschiedenste Volkskrankheiten, Übergewicht, mangelnde Motivation, fehlende Energie und letztlich der Auslöser des sagenumwobenen Burn-Outs: Stress.

In den letzten Jahren ist Stress zum Dauerthema geworden. Jeder will ihn, jeder kriegt ihn und jeder versucht so gut wie möglich mit ihm umzugehen. Stress gehört in den meisten Jobs zum guten Ton. Wer nicht gestresst ist, der kann  – so das Bild der Gesellschaft – wohl keinem anstrengenden Job nachgehen und demzufolge fällt sein Ansehen in seinem gesellschaftlichen Umfeld.

Ich möchte in diesem Artikel ein paar Hintergrundinformationen zum Thema Stress erörtern und gleichzeitig zum Nachdenken anregen, bzw. mögliche Chancen und Möglichkeiten aufdecken, die mit Stress einher gehen.

Zu allererst gilt es eines zu bemerken: Stress ist subjektiv.
Wie eine willkürliche Person mit einer bestimmten Situation umgeht, kann völlig unterschiedlich aussehen. Es muss noch nichtmal eine bestimmte Situation vorliegen: Stress kann durchaus auch durch Gedanken oder Erlebnisse bzw. Erfahrungen vervorgerufen werden. Traumatisierte Menschen erleben  beispielsweise in regelmäßigen Abständen höchst stressige Momente, ohne dass irgendetwas konkretes vorfällt. Mit traumatisierten Menschen sind nicht nur die gemeint, die etwas extrem negatives oder gar  lebensbedrohliches erlebt haben. Viele Menschen sind traumatisiert von Alltagssituationen in ihrer Kindheit oder Jugend. Dies kann völlig unterschiedlich ausehen: Wenn beispielsweise ein Vater seinen Sohn unter Druck setzt, weil er seiner Meinung nach genauso erfolgreich im Sport wie er werden muss. Wenn sich eine 10 Jährige zu dick fühlt und auch gern eine tolle Figur wie die selbstdarstellerische Mama hätte. Wenn die Eltern einem Kind zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht haben. Wenn ein Kleinkind irgendeine Situation erlebt, in der es sich extrem unsicher, nutzlos, hilflos oder verängstigt fühlt. Wenn ein Kind Verlustängste entwickelt, weil seine Eltern beruflich stark eingespannt und immer unterwegs sind. Diese Aufzählung könnte man beliebig weiterführen.

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Traumatisierungen dieser Art können Stress auslösen und massiven Einfluss darauf nehmen, wie stark sich Stress auf den Körper auswirkt. Unabhängig von negativen Kindheitserinnerung – welche übrigens nahezu jeder Mensch in irgend einer Form in sich hat – hat natürlich jeder Mensch ein anderes Wesen. Wer sehr sensibel ist, wird sehr schnell Stress verpüren, wenn er in eine Konfliktsituation mit anderen Menschen gerät. Einem weniger sensibelen Menschen hingegen würde es wesentlich einfacher fallen, in diesen Situationen eine Gleichgültigkeit gegenüber seinen Mitmenschen zu entwickeln. Dieser ist unter Umständen viel schneller gestresst, wenn es um sehr genaues, konzentriertes und terminiertes Arbeiten geht. Manche Menschen blockieren komplett, wenn sie wissen, dass die Fertigstellung ihres Projektes zeitlich extrem knapp bemessen ist, während es andere erst zu Höchstleistungen anspornt.

Man muss alles in allem sehr vorsichtig mit der Bewertung von Stress sein. Ich kenne viele Menschen, die Stressgeplagte oder Burnoutgefährdete belächeln. “Ach, was hat der schon für einen Stress. Der soll mal eine Woche meinen Job machen.” Solche unbedachte und wenig kluge Bemerkungen hört man sehr häufig. Man kann sehr gestressten Menschen gerne dazu raten, das Spielfeld zu wechseln oder sie dazu bringen, sich selbst und ihre Stärken und Schwächen zu reflektieren. Sie der Stressüberempfindlichkeit zu bezichtigen und sie damit zu verurteilen hilft jedoch niemandem. Höchstens dem eigenen Ego.

Des weiteren muss man beachten, dass es unterschiedliche Arten von Stress gibt.
Dies lässt sich anhand der folgenden drei Beispielen sehr schön erläutern. Versetze dich bitte einen Moment in folgende Situationen, und versuche das Gelesene “nachzuempfinden”.

Situation I:
Du bist 17 Jahre alt, hattest eine nervige und anstrengende Schulwoche hinter dir und dabei seit Tagen nur ein Ziel vor Augen: das Wochenende. Es ist Freitag zur Mittagszeit, du musst noch ein paar Dinge erledigen und triffst dich danach mit deinen Freunden zur “Lagebesprechung”. Ihr wollt abends feiern gehen und du weisst, dass dein absolutes Traummädchen/-junge auch dort sein wird. Dir gehen 1000 Dinge durch den Kopf: Was, wenn ich nicht in den Club komme? Was ziehe ich an? Soll ich Alkohol trinken? Wie spreche ich sie / ihn an? Was, wenn ich einen Korb bekomme?
Du triffst Vorbereitungen, ziehst dich schön an und richtest dich her. Die Zeit verfliegt und nichts ist dir wichtiger als dieser eine Moment, dieser wunderbare Tag voller Vorfreude und letztendlich der Abend. Keine Gedanken an den nächsten Tag oder gar die nächste Woche. Du blendest alles aus und bist einfach nur in deinem Element. Du genießt die Zeit und wünschst dir einfach nur, dass die Sekunden heute langsamer ticken.
Ist das Stress? Auf jeden Fall. Du standest seit dem Aufstehen unter Strom, ja sogar unter Druck. Du hattest dauerhaft Adrenalin im Blut, die Hormone spielten verrückt. Würdest du diesen Stress als negativ bewerten? Nie im Leben. Er ist eine Bereicherung für dich und dein Leben. Du würdest mit Sicherheit sogar zustimmen, dass dieser Stresstag die gesamte Woche aufgewertet hat und du sehr froh bist, solche Tage erlebt haben zu dürfen.

Situation II:
In einer Woche hältst du eine sehr wichtige Präsentation in deinem Job / der Schule / Uni. Du bist gut im präsentieren und es macht dir an sich Spaß. Du hast schon eniges an Zeit in die Präsentation gesteckt, sie ist jedoch weder inhaltlich vollendet noch im Detail vortragsgerecht aufbereitet. Du weisst, dass du in der kommenden Woche für nichts anderes Zeit finden wirst, als für die Vorbereitung der Präsentation. Du weisst auch, dass du unbedingt noch weitere inhaltliche Höhepunkte finden musst, sonst kannst du allerhöchstens im Mittelmaß landen. Für dich steht fest: ich werde es schaffen. Du denkst keine Sekunde darüber nach, was passieren würde, wenn du mit der Recherche stecken bleiben würdest, oder was die Konsequenzen eines Blackouts am Tag der Präsentation sein würden. Am Tag vorher stehst du um 6 Uhr auf. Du bist noch nicht so weit wie du sein solltest, aber du hast dennoch eine genaue Vorstellung davon, was heute noch zu erledigen ist. Du weisst, dass es eng wird, aber wenn du von Anfang an voll rein-powerst, kannst du die Vorbereitung erfolgreich abschließen. Du stehst am nächsten Tag auf, bist so gut wie fertig und präsentierst einen bombastischen Vortrag.
Ist das Stress? 100 prozentig. Ist der Stress so positiv wie beim letzten Beitrag? Mit Nichten! Es war eine furchtbare Woche und du bist sehr dankbar, dass du sie erfolgreich hinter dir lassen konntest. Aber zwei Punkte sind ganz entscheidend: der Stress hat dafür gesorgt, dass du dich 100 %ig auf deine Aufgabe konzentrieren konntest. Nur durch den Stress warst du in der Lage, dein ganzes Können abzurufen und die Präsentation zu rocken. Mit dem normalen Energieniveau hättest du keine Chance gehabt, rechtzeitig fertig zu werden. Der zweite sehr wichtige Punkt ist, dass dir diese stressige Woche Glücksgefühle ohne Ende beschert. Du wirst am Tag nach dem Vortrag mit einem Dauergrinsen durch die Welt laufen und dich glückselig fühlen. Das wäre ohne den negativen Stress der Woche undenkbar. Dann wären die Tage nach dem Vortrag normale Tage wie immer. Keine besonders schlechten, keine besonders guten. Manchen Menschen reicht das. Lieber ein bekanntes Unglück als ein unbekanntes Glück, denken sie sich. Den meisten Menschen reicht das jedoch lange nicht. Sie wollen mehr spüren, mehr fühlen. Sie wollen Grenzen durchbrechen und das Leben so intensiv wie möglich auskosten. Dafür ist Stress unabdingbar.

Situation III:
Du hast vor zwei Wochen in deinem neuen Job angefangen. Die Kollegen begrüßen dich mit einem süffisanten Lächeln. Die Fluktuation in dieser Firma ist immens. Sie ist dafür bekannt, alles von den Mitarbeitern abzuverlangen. Das Betriebsklima ist schlecht, es herrscht eine absolute Ellenbogenmentalität und keiner gönnt dem anderen etwas. Jeder kämpft für sich ums Überleben. Wer zu schwach ist, fliegt raus. Für schwache Leute ist kein Platz am Markt, diese Firma hat sich höhere Ziele auf die Fahnen geschrieben.
Du bist mit deinen Aufgaben heillos überfordert. Sie wollen dich testen. Sie wollen sehen, wie weit sie gehen können. Sie wollen sehen, wann du aufgibst. Du hast noch nichtmal das Gefühl, dass deine Aufgaben Sinn machen. Es geht nur  darum, die von oben kommenden Aufgaben zu bewältigen und das so schnell wie möglich. Du bist den ganzen Tag unter Strom und nimmst dir sogar Arbeit mit nach Hause. Am Wochenende bist du mit deinen Gedanken natürlich bei unabgeschlossenen Projekten. Am Sonntag Abend dreht sich dir der Magen um, wenn du an den nächsten Tag denkst. Nach zwei Monaten spürst du, wie sich der Stress auf deinen Körper auswirkt. Du schläfst schlecht, hast regelmäßig Magenprobleme und eine schlechte Haut. Du bist notorisch schlecht gelaunt, aber du hast dir allmählich den Respekt deiner Kollegen erkämpft. Sie wissen jetzt, dass du jemand von der harten Sorte bist. Mit dir spielt man nicht, du bist ein ernstzunehmender Konkurrent. Ein Kämpfer. Deine Aufgaben bleiben utopisch. Du siehst nicht das Große und Ganze, oder wofür du arbeitest, du kümmerst dich um Projekte die dir zugeteilt wurden. Du steuerst bestimmte Abläufe in einem riesig großen Rad, welches von niemand im Ganzen überblick werden kann. Du siehst keinen Sinn in deinem Tun, kein finales Ergebnis. Nach fünf Jahren merkst du, dass der Stress während der Arbeit normal für dich ist. Zeitdruck und immer größere Ziele bestimmen deinen Arbeitsalltag. Nach zehn Jahren lebst du allein. Du fühlst dich weder fit noch gesund. Du bist nicht zufrieden und spürst unterbewusst, dass das nicht alles gewesen sein kann. Du überlegst wie du aus diesem Laufrad ausbrechen kannst.
Dieses Beispiel sollte wohl jedem deutlich machen, wie sich dauerhafter Negativ-Stress auf unser Leben auswirken kann. Andauernde Überforderung in Kombination mit fehlender Sinnhaftigkeit sind das Paradebeispiel für negativen Stress. Wir Menschen brauchen einen Sinn, ein zumindest ein Ergebnis in unserem Tun. Wenn wir diesen nicht sehen oder regelmäßig erfahren, werden wir unzufrieden sein. Außerdem müssen die Anforderungen zu unserer Leistungsfähigkeit passen. Wer dauerhaft überfordert ist, den zerfrisst der Stress – wer dauerhaft unterfordert ist, der ist gelangweilt und unzufrieden.

Wenn du dieses Thema interessant findest oder dich an der ein oder anderen Stelle wiedererkannt hast, gib mir gerne ein Feedback. Ansonsten freue ich mich sehr, dich bald auf der Teilnehmerseite des Besser-Leben-Programms begrüßen zu dürfen und dich in ein starkes, positiv-gestresstes, besseres Leben zu begleiten.

 

 

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